Innerorts: Fussball, Zölle und gesellschaftlicher Zusammenhalt

Es ist ein warmer, sonniger Aprilmittag. Vor dem Radiostudio des SRF versammelt sich eine lebendige Gruppe: aufgeregte Mädchen vom FF Schwarzwasser, stolz in ihren Trikots, umgeben von Eltern, Trainer:innen und Vereinsmenschen. Mit dabei sind die Gemeindepräsident:innen aus Neuenegg und Schwarzenburg – und ich aus Köniz. Wir sind zu Gast bei der Live-Sendung «Tagesgespräch plus», eingeladen zu einem Gespräch mit YB- Imke Wübbenhorst über Frauenfussball.

Das Blatt wendet sich
Die Stimmung ist erwartungsvoll – bis eine Eilmeldung alles verändert: Die USA kündigen neue Zölle auf europäische Exportgüter an. Die Ausstrahlung des Gesprächs mit der YB-Trainerin wird verschoben. Im Nachhinein scheint es sinnbildlich: An diesem Apriltag werden zwei Themen verhandelt, die uns beide noch wochenlang beschäftigen werden und viel über unsere Gesellschaft verraten.

Jetzt zusammenstehen
Nach den Sommerferien ist es im Zollstreit mit den USA immer noch schwierig. Die Massnahmen treffen auch viele Betriebe bei uns in Köniz. Arbeitsplätze und Know-how sind bedroht – das sorgt für Verunsicherung. Es zeigt sich wie selten: Wir müssen schnell handeln können und brauchen gute Lösungen. Und es ist entscheidend, dass Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gut zusammen funktionieren.

Ein echtes Sommermärchen
Wie das gelingen kann, zeigte uns in diesem Sommer ein ganz anderes Ereignis: die Frauen-EM. Sie wurde zum echten Sommermärchen – Spitzensport mit Herz, Tempo und Charakter. Mit überraschenden Wendungen, grossen Emotionen und einem Zusammenhalt, der weit über das Spielfeld hinauswirkte. Überall in der Schweiz jubelten Menschen gemeinsam: auf öffentlichen Plätzen, bei Public Viewings, in Gärten und Wohnzimmern. Es war mehr als ein – es war ein Fest der Gemeinschaft. Die Spielerinnen zeigten, was möglich ist, wenn Mut auf Förderung trifft und Teamgeist auf Begeisterung. Sie haben uns inspiriert – als Vorbilder, als Pionierinnen, als Frauen, die ihren Weg gehen.

Farbe bekennen
Noch Wochen später zeigt mir ein Mädchen an einer Bushaltestelle stolz ihr Trikot der Schweizer Fussballerinnen. Ein einfacher Moment, aber einer, der mir bleibt. Denn er steht sinnbildlich dafür, was entstehen kann, wenn junge Menschen gefördert, motiviert und ernst genommen werden. Wenn wir ihnen Raum geben, sich zu entwickeln, haben wir in Zukunft starke Mitspieler:innen, die auch Tore schiessen können.

Gemeinsam zu Lösungen
Solche Momente erinnern mich daran, dass unsere Gesellschaft dann am besten funktioniert, wenn sie als Gemeinschaft mit vielen aktiven Teilen lebt: Vereine, Schulen, Quartiere, engagierte Menschen und innovative Betriebe. In global stürmischen Zeiten gibt uns das Lokale den Halt und die Möglichkeit zu handeln. Das alltägliche Miteinander und die gelebten Beziehungen vor Ort sind das Fundament, auf dem wir gemeinsam Lösungen finden.

Gerade in schwierigen Zeiten zeigt sich, wie wertvoll unsere demokratischen Strukturen, die Vielfalt unserer Gesellschaft und eine starke lokale Wirtschaft sind. Sie schaffen Vertrauen, Zugehörigkeit und die Fähigkeit, gemeinsam aktuellen Herausforderungen zu begegnen.

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